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Schweinefachtagung: Tipps für große Würfe und optimale Mast
Dr. Heike Engels
Am 13. Januar fanden in Stemmen und in Hiddingen die trotz verschneiter Straßen gut besuchten Schweinefachtagungen des Hansa Landhandel Lahde GmbH & Co. KG statt. Die Zuhörer hörten drei interessante Vorträge zu aktuellen Themen der Schweineproduktion. Dr. Große Beilage, Fachtierarzt für Schweine in Essen, Oldenburg, sprach über das richtige Management großer Würfe, „Durch den Anstieg der Ferkelzahl pro Wurf sind nicht nur Vorteile entstanden“, so der Tierarzt. „Stimmt das Management nicht, steigt leider auch die Anzahl totgeborener Ferkel, es kommt zu vermehrten Verlusten in der Säugephase und zu mindergesäugten Ferkeln, sprich zum Auseinanderwachsen des Wurfes.“ Mehr Ferkel pro Sau lasse das Geburtsgewicht des einzelnen Ferkels sinken, lebensschwache Ferkel seien die Folge. Deshalb bedingen die angesichts des enormen Zuchtfortschrittes der letzten Jahre hohen Ferkelzahlen auch ein Spitzenmanagement.
Viel Pflege tut Sauen gut
„Die Ferkelbetreuung fängt schon bei der Sau an. Wichtig ist eine ausreichend große Abferkelbucht mit gutem Boden, der nicht rau wird und dann zu Kokzidienproblemen führt. Die Sau mag es warm, 20 °C sind ideal, jedes Grad mehr führt zu verminderter Futteraufnahme. Die Ferkel dagegen lieben 37 °C, wenn sie auf die Welt kommen – diesen Spagat zu schaffen ist die Kunst“, so der Tierarzt. Wärmelampen über dem Ferkelnest seien Standard, zu selten noch finde man sie hinten über der Sau, dabei würden die Ferkel so wärmer empfangen. Frischluft am Kopf der Sau sei wichtig, ebenso eine Kotabwurfkante hinter der Sau, die für eine saubere Liegefläche sorgt. Dr. Große Beilage machte deutlich, dass für eine gesunde und langlebige Sau auch der Landwirt viel tun muss. „Die eierlegende Wollmilchsau ist leider noch nicht erfunden worden. Die Zuchtsau von heute bringt viel Leistung mit, aber steht sie erst einmal bei uns im Stall, muss sie gepflegt und gehegt werden, damit sie diese Eigenschaften auch behält.“ Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf das Gesäuge. „Steht die ferkelführende Sau im Stall, ist ein funktionsfähiges Gesäuge das A und O. Schon beim Jungsauenkauf ist darauf zu achten. Sauen mit einem Zwischenstrich, einem Stülpstrich oder einem Blindstrich sollten Sie ablehnen“, riet er den Zuhörern. Er erklärte, dass Schweine bei einer Gesäuge- oder Zitzenentzündung nicht unbedingt ein geschwollenes Gesäuge bzw. die typischen Krankheitszeichen zeigen müssen wie z.B. Kühe. Diese Sauen seien dann schwer auszumachen, unter ungünstigen Umständen bleibe eine Entzündung lange unentdeckt, der Milchfluss sei gestört und das Gesäuge nehme bleibenden Schaden.
„Für ein dauerhaft leistungsfähiges Gesäuge muss jede Zitze belegt sein, damit die milchbildenden Zellen gleichmäßig beansprucht werden. In der Geburtswoche sollte jedes Gesäuge täglich mit einem jodhaltigen Hautpflegemittel gepflegt werden, das desinfiziert auch kleinere Wunden. Nur bei auf Jod allergischen Sauen muss man vorsichtig sein, aber das bekommt man mit und kann das Mittel dann sofort abwaschen“, riet der Tierarzt. Außerdem empfahl er, das Gesäuge regelmäßig auf etwaige Knoten und Hitze abzutasten, damit Entzündungen so schnell wie möglich behandelt werden können.
Schwachen Ferkeln auf die Beine helfen
Auch die Fütterung der Zuchtsau erfordere viel Geschick. „In der frühen Trächtigkeit, also bis 50. Trächtigkeitstag, sollten wir anfüttern, dann die Kondition halten und erst in der Säugephase auf Leistung füttern.“ Wichtig sei es, die Kondition der Sau regelmäßig zu überprüfen, um korrigieren zu können. Für einen reibungslosen Geburtsverlauf riet er zu viel Ruhe und gedämpftem Licht im Stall und zu einer permanenten Geburtsüberwachung. Die Ferkelnester sollten temperiert und mit Ferkelpuder eingestreut werden, damit die Ferkel gleich nach der Geburt abtrocknen. „Der Zuckerspiegel geht bei Ferkeln kurz nach der Geburt herunter, bei Kälte noch schneller. Schwache Ferkel müssen wir schnell erkennen. Die Ferkel sind dann zu schwach zum trinken, da müssen wir helfen.“ Er empfahl, diese Ferkel zu kennzeichnen und dann mit einer speziellen Milch zu versorgen. „Dazu nimmt man die Ferkel in den sogenannten Ernährungsgriff und gibt ihnen 5 bis 15 ml dieser Milch direkt ins Maul. Kurze Zeit später sind sie dann so fit, dass sie meist selber trinken können.“ Um Krankheiten vorzubeugen, sei auf eine gute Wurfhygiene zu achten, also z.B. Einmalhandschuhe und -spritzen pro Wurf erneuern. Ideal sei ein Servicewagen direkt im Stall.
Hat eine Sau viele Ferkel, stelle sich die Frage, wohin mit all den Ferkeln. „Jedes Ferkel braucht eine Zitze, also ist nach 14 Ferkeln Schluss an der Sau, überzählige müssen anders versorgt werden.“ Dazu bieten sich Ammensauen an, dann könnte es aber durch das fehlende Rein-Raus-Prinzip zu hygienischen Problemen kommen. Technische Ammen könnten eine Lösung sein, genauso wie das Rescue-Deck. „Man kann aber auch alle Ferkel bei der Sau lassen und zufüttern, z.B. mit dem Supp-Le-Mate. In jeder Bucht liegt eine Ferkeltasse, in die ständig frische Milch läuft. Die Ferkel trinken hier und am Gesäuge. Von mir betreute Betriebe haben damit gute Erfahrungen gemacht“, so Dr. Große Beilage. „Die Ferkel säugen das Gesäuge komplett leer, weil sie so kräftig sind, was sogar zu mehr Milch führt.“ Schließlich riet er dazu, die technischen Möglichkeiten der Datenerfassung und -auswertung zu nutzen, also einen Sauenplaner zu führen, denn so habe man den besten Überblick über seinen Bestand und dessen Leistung.
Futter ist teuerster Produktionsposten
Dr. Heinrich Roling, herocon Unternehmensberatung, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Bedeutung des Futters in der Mast. „Während sich viele Parameter in der Vergangenheit wie z.B. die Tageszunahme stetig verbessert haben, stagnierte die Futterverwertung über die Jahre immer so bei 1:2,86. Die Tageszunahme ist allerdings nicht alles, auch die Futterverwertung ist wichtig.“ Futter mache mit mehr als 50 % den Hauptteil der Produktionskosten aus und sei damit das zentrale Thema in der Schweinefleischproduktion. Da müsse man hinschauen, aus welchen Einzelbestandteilen sich Mastschweinefutter heute zusammensetzt. Das sind vor allem Getreide (45 %) und Ölkuchen und -schrote (27 %). Der Rest teilt sich auf zu sonstigen Rohstoffen (15,4 %), Mühlennachprodukte (7 %), zuckerhaltige Futtermittel (3,2 %) und Maiskleber und Zitrus-/Obsttrester. „Agrarrohstoffe sind energiepreisgetrieben, nicht zuletzt durch die Konkurrenz von Getreide für Futter oder Ethanol bzw. Mais für Biogas. Zudem wird es schwieriger, ausreichende Mengen an Futterrohstoffen zu bekommen. Deshalb gibt es starke Preisschwankungen und es wird immer wichtiger, den richtigen Zeitpunkt für Kauf bzw. Verkauf der Rohstoffe zu finden“, so Dr. Roling. Doch die Marktbeobachter steckten in einem Dilemma: Wenn richtige Preisprognosen veröffentlicht würden, seien sie schon falsch, da die Wirtschaft auf die Prognose reagiere.
Fütterungsstrategien überarbeiten
Eine gute Futterverwertung bei den Schweinen zu erreichen sei angesichts dieser Marktsituation sehr wichtig. Hier gebe es einige Zuchtlinien wie z.B. DanZucht und Hülsenberger, die hinsichtlich Futterverwertung und Tageszunahmen laut des Warentests 2009 besser dastehen als andere und daher auch häufiger in den Ställen stehen. „Bei knappen und teuren Rohstoffen ist das eben ein entscheidendes Kriterium“, so Dr. Roling. Zukünftig müssten auch die Futterstrategien überarbeitet werden. So sei es effizienter, eine intensive Vormast zu betreiben bis etwa 60 kg und ab 70 kg restriktiv auszumästen. „Das vermeidet Fettansatz und unterstützt den Proteinansatz. Zudem müssen die Mastfutter für die einzelnen Stufen Vormast, Mittel- und Endmast unterschiedliche Aminosäurenzusammensetzungen haben, denn durch eine zu geringe Aminosäurenversorgung wird das Proteinansatzvermögen nicht voll ausgeschöpft und der Fettansatz begünstigt. Protein wird erzüchtet, Fett erfüttert“, erinnerte Dr. Roling zu Zuhörer. Außerdem schlug er vor, die getrenntgeschlechtliche Mast wieder in die Diskussion zu nehmen, da Versuche gezeigt hätten, dass weibliche Tiere und Kastrate unterschiedliche Bedürfnisse an Futteraufnahme und Aminosäuren haben, um einen guten Muskelfleischanteil zu erlangen.
Spekulation macht Preisbildung undurchschaubar
Der letzte Referent, der Sojahändler Per Madsen aus Dänemark, gab den Zuhörern einen spannenden Einblick in die Welt des Agrarrohstoffhandels am Beispiel Soja. „Die Preisbildung ist heute nicht mehr so einfach wie vor einigen Jahren, wo Angebot und Nachfrage den Preis machten“, so Madsen. „Heute spielen auch noch die sich ständig verändernden Produktionskosten eine Rolle, dann können die Logistik, die Administration, die schwankenden Währungen und auch die politischen Verhältnisse Preise mitbestimmen. So richtig undurchschaubar aber machen erst die Spekulationen den Markt, denn diese folgt keinen logischen Gesetzen.“ Die derzeitige Sojaernte in Südamerika und den USA laufe sehr gut, die Prognosen versprechen volle Lager, so dass so hohe Preise wie noch vor knapp einem Jahr nicht zu befürchten seien. Eventuell gehe der Markt sogar in eine Extremsituation, da es den Banken nach der Wirtschaftskrise nun wieder besser gehe und sie statt in Agrarrohstoffe ihr Geld wieder in Aktien investieren, und große Sojaabnehmer wie China zurückhaltender agierten. „Aber ich bin ein Experte ohne Wissen, nur mit Meinung, deswegen kann es so kommen, muss aber nicht.“ Er warnte schließlich die Zuhörer, sich auf spekulative Geschäfte einzulassen, schon gar jetzt, wo eben nicht sicher sei, wie die Märkte sich nach der Weltwirtschaftskrise entwickelten. „Man sollte kaufen, wenn der Bedarf da ist, alles andere ist Spekulation, und da verliert man mehr als dass man gewinnt. Seien Sie aus dem gleichen Grund vorsichtig vor langfristigen Kontrakten von länger als einem Jahr.“
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