HANSA Schweinefachtagung im Januar 2009
Autor: Sabine Kornblum
Die 10. HANSA Schweinefachtagung wurde am 14. Januar 2009 mit einer Begrüßung durch Herrn Ulrich Pape –Produktmanagement der HANSA Landhandel Lahde GmbH & Co. KG- eröffnet. Herr Pape zeigte sich sehr erfreut darüber, dass mehr als 300 Landwirte der Einladung zu den beiden Veranstaltungen in Mulmshorn und Hiddingen gefolgt waren und somit ihr Interesse an der Themenauswahl bekundeten. Sein Dank galt den drei Referenten Herrn Eynck von den B+C Tönnies Fleischwerken, Rheda-Wiedenbrück, Herrn Dr. Delbeck vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Herrn Prof. Dr. Ziron von der Fachhochschule Südwestfalen in Soest.
Mit der Frage, ob sich die Lage am Schlachtschweinemarkt entspannt und wie die Exportmöglichkeiten für Schweinefleisch aussehen, übergab er das Wort an den ersten Referenten, Herrn Eynck.
Mit Daten zu den Bereichen Futter- und Energiekosten stieg Herr Eynck in sein Thema „Steigende Erzeugungskosten bei fallenden Erlösen - Entwicklung im Schweinemarkt 2009“ ein. Im Betrachtungszeitraum von 2001 bis 2008 zeigte er am Beispiel Alleinfuttermittel ab 50 kg LG einen Preisanstieg von 17,56 auf 21,41 €/dt und bei den Kosten für Energie, Heizung und Wasser eine Steigerung um 150 % von 2,40 € auf 6,00 € pro Mastschwein auf. Die Notierungen zeigten im Vergleich zu den Kosten ein stetiges Auf und Ab im Bereich von 1,03 bis 1,98 €/kg SG. Seine Feststellung, dass auf Dauer nur die überleben können, die ihre Kosten im Griff haben, lässt sich an den Zahlen zur durchschnittlichen Kosten- Erlössituation der deutschen Schweinemast festmachen. So lagen je kg Schlachtgewicht die Produktionskosten 2008 im Schnitt bei1,67 € und der Erlös bei nur 1,55 €.
Bei einem Vergleich der deutschen Notierungen für Schlachtschweine auf EU-Ebene wurde sichtbar, dass sich unsere Preise im oberen Mittelfeld bewegten. Auf Weltmarktebene lagen die EU-Preise seit 2005 immer über dem Niveau der USA. Die Prognose für das Jahr 2009 bestätigte dieses Verhältnis. Die EU-Kommission erwarte für das Jahr 2009 einen Preis von 160 bis 170 €/100 kg SG, in den USA dagegen nur von 110 bis 135 €/100 kg SG.
Lagen die Schlachtungen in Deutschland im Jahr 2008 bei 54,8 Mio Tieren, wird für 2009 ein Rückgang auf 53,5 Mio erwartet. Die Prognose der Produktionszahlen geht beim Vergleich der 2. Quartale 2008 und 2009 von einem Rückgang um 4,2 % auf EU- Ebene und von 2 % in Deutschland aus. Deutschland ist und bleibt damit innerhalb der EU der größte Schweineproduzent. „Wir werden in Deutschland, bedingt durch die fatale Erlössituation am Ferkelmarkt, weniger Sauen haben“, so Herr Eynck. Die Anzahl Schlachtungen in Deutschland wird jedoch, bedingt durch Ferkelexporte aus Dänemark und den Niederlanden, nahezu unverändert hoch bleiben.
Der Prokopf-Verzehr an Schweinefleisch bewegte sich innerhalb der EU-Länder auf einem konstanten Niveau. Bedingt durch die neuen Beitrittsländer wird im EU-Schnitt ein leichter Anstieg auf 51,5 kg bis zum Jahr 2015 erwartet. Auf den gesättigten westlichen Märkten sei mit keiner wesentlichen Konsumänderung und folglich mit keinem zusätzlichen Absatzmarkt zu rechnen. „Wir produzieren mehr, als wir essen können“. In Deutschland beträgt der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch mittlerweile 102 %, im EU-Schnitt liegt er sogar bei 108 %. Seit 2005 ist Deutschland zum Nettoexporteur von Schweinefleisch geworden. Die wichtigsten Abnehmer für die deutschen Ausfuhren waren im Jahr 2008 Italien, gefolgt von den Niederlanden, Russland, China (incl. Hongkong) und Großbritannien.
„Was wir nachhaltig exportieren wollen, müssen wir in Drittländer exportieren“, so Herr Eynck. Wachstumsmärkte sind aus seiner Sicht besonders Osteuropa, China und Südafrika.
„Für diese Märkte müssen wir ein qualitativ hochwertiges Fleisch liefern“, wobei er einschränkte, dass die Chinesen ein anderes Konsumverhalten haben und aus unserer Sicht geringwertigere Produkte abnehmen würden.
Herr Eynck stellte eine große Anzahl von Faktoren dar, die den Handel mit einem Importland beeinflussen können, wie z.B. das nationale Wirtschaftswachstum, Wechselkurse, lokale Ereignisse (Erdbeben in China), politische und soziale Entwicklungen und politische Ziele des Importlandes, wie die Sicherung der heimischen Agrarproduktion. Ergänzend dazu ging er auf tarifäre und nicht tarifäre Handelshemmnisse und die Ziele der Bundesregierung und der WTO ein. Das Agieren auf internationalen Handelsmärkten sei risikobehaftet. Welchen Einfluss Tierseuchen und Lebensmittelsicherheit auf den Export haben können, zeigte er am Beispiel Japans, das aufgrund eines Falles von Wildschweinepest in Deutschland im Januar 2009 sofort den Import von deutschem Schweinefleisch stoppte. Aktuell seien zudem deutsche Schweinefleischexporte in die Länder Indien, Südafrika, Japan, Taiwan und Kanada nicht möglich.
Die einzelnen Aspekte führten zu der Schlussfolgerung, dass die Anforderungen an eine exportorientierte Landwirtschaft hoch sind und der Schlüssel für den Erfolg dort liegt, wo zuverlässig hohe Qualitäten und Mengen zu annehmbaren Preisen angeboten werden könnten. „Wir müssen ins Ausland exportieren“ und „Sie sind gut, werden Sie besser!“, appellierte Herr Eynck an die Landwirte.
Schweinegesundheit
Herr Dr. Delbeck stieg in das Thema Schweinegesundheit mit seinen Erfahrungen zur Circoimpfung ein. Am Beispiel zweier Betriebe, die zur Feldbeobachtung ausgewählt wurden, zeigte er auf, wie wichtig eine genaue klinische Untersuchung und Diagnostik (z.B. Blutuntersuchungen oder Sektionen) seien, um eine differenzierte Ursachenforschung bei Problemen zu betreiben. Nach Dr. Delbeck können die durch eine Infektion mit dem Circovirus Typ 2 (PCV2) hervorgerufene Krankheitsbilder in vier Bereiche unterteilt werden.
- PWMS = Postweaning Multisystemic Wasting Syndrom (nach dem Absetzen auftretendes, durch die Beeinträchtigung mehrerer Organe bedingtes Kümmern)
- PDNS = Porzine Dermatitis, Nephropathy Syndrom (beim Schwein vorkommende Hautentzündung in Verbindung mit Nierenveränderungen)
- MWS = Multisystemic Wasting Syndrom (durch die Beeinträchtigung mehrerer Organe bedingtes Kümmern)
- (Anm.: Syndrom= Zusammentreffen verschiedener Symptome)
- PRDC = Porcine Respiratory Disease Complex (eine beim Schwein auftretende, die Atemwege betreffende Krankheit, mit mehreren Krankheitsbildern). In 52 % der Fälle mit PRRS, in 36 % mit Mycoplasma hyopneumoniae, in 22 % mit Blutvergiftung.
Aus seinen Erfahrungen schloss Herr Dr. Delbeck, dass sich die klinischen Symptome einer MWS in den letzten Jahren nach hinten verschoben haben und jetzt vermehrt erst ab Mitte der Endmast auftreten. Diese Tiere drücken dann als so genannte „Hungerhaken“ den Masterfolg.
In den beiden Betrieben konnten durch eine PCV2-Impfung die MWS-Probleme aufgehoben und damit die Mastleistungen verbessert werden. Das Herausfinden des optimalen Impfzeitpunktes und auch die begleitenden Maßnahmen sind wesentlicher Bestandteil des Behandlungskonzeptes, so Dr. Delbeck. „Eine Optimierung der Tiergesundheit ist nicht mit einer Maßnahme lösbar“, fasste er seine Ergebnisse zusammen. Neben der Circo-Impfung, seien hier als weitere Behandlungsmöglichkeiten die PRRS- und die Mycoplasma hyopneumoniae-Impfung (EP) und die Gabe von Draxxin erwähnt.
Aus aktuellem Anlass ging Dr. Delbeck in seinen Ausführungen zum Thema Ferkelkastration über. Ohne Betäubung erlaubt die gesetzliche Lage in Deutschland die Ferkelkastration bis zum 7. Lebenstag. Dieses Verfahren sei allerdings tierschutzrechtlich zur Zeit in der Diskussion. Verschiedene Änderungsvorschläge würden abgewogen, wobei der Verhandlungsdruck nicht nur vom Tierschutz, sondern auch vom Handel und den Verbrauchern ausgehe. Welche alternativen Möglichkeiten zur Verfügung stehen und wie die Vor- und Nachteile aussehen, beschrieb Dr. Delbeck. wie folgt :
- Betäubung vor der Kastration (z.B. mit Medikamenten oder CO2)
- Ebermast
- Immunokastration
- Einsatz von Schmerzmitteln nach der Kastration (z.B. nichtsteroidale Antiphlogistika)
Aus Gründen des Arbeitszeitaufwandes, der Arbeitssicherheit, aber auch der Kosten und der Verbraucherakzeptanz würde der Einsatz von Schmerzmitteln in Deutschland zur Zeit favorisiert. Für das Schwein stehen hier aktuell zwei Präparate zur Verfügung, die aber nicht für die Indikation Ferkelkastration zugelassen sind, dazu müsste erst eine Umwidmung nach §65a des Arzneimittelgesetzes erfolgen. Die beiden Mittel gehören zur Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID’s) und haben eine starke schmerzlindernde und auch entzündungshemmende Wirkung. Bei der Anwendung ist eine Zeitdauer von 15 Minuten bis zum Wirkungseintritt zu beachten. Die Kosten würden sich pro Tier im Bereich von 10 bis 15 Cent bewegen. Welche weiteren Möglichkeiten bestehen, um den Ebergeruch auszuschalten, erfordere noch Forschungsbedarf in den Bereichen Züchtung, Haltung und Fütterung.
Anhand eines typischen Fallbeispiels ging Dr. Delbeck auf das Thema Fruchtbarkeitsprobleme in einem Sauenbestand ein. Nach dem Umstallen der Jungsauen aus der Quarantäne in das Eroscenter fingen die Jungsauen ohne erkennbaren Grund an zu husten. Vier Wochen später stiegen die Umrauschquoten von 15 auf 30 % an. Im Abferkelbereich trat vermehrt MMA auf, zudem husteten ca. 30 % der Ferkel im Flatdeck. Daraufhin wurden die Sauen und Ferkel antibiotisch behandelt. Dank der serologischer Untersuchungen und der Sektionsergebnisse konnte in diesem Fall ein massiver Infektionsdruck mit M. hyopneumoniae (EP) und Hämophilus parasius (HPS) nachgewiesen werden. Die vorhandene PCV2 Belastung der Tiere wirke dabei immunsupressiv und habe die krankmachende Wirkung noch verstärkt.
Als Behandlungsmethode hatte Dr. Delbeck unter diesen Bedingungen folgendes Konzept vorgeschlagen:
- Medizinierung der Jungsauen nach Ankunft mit CTC oder Oxytetracyclin für 14 Tage. In Abhängigkeit der Serologie der Jungsauen Impfung gegen PRRS oder Influenza in der Quarantäne
- Zweimalige Behandlung der Ferkel mittels Draxxin oder eine erste EP- Impfung am 3. Lebenstag, die zweite EP- Impfung dann gepaart mit einer Hämophilus parasuis- Impfung durchführen
Abschließend betonte Dr. Delbeck, dass bei allen medizinischen Maßnahmen ein konsequentes Handeln wichtig sei, um den Erregerdruck zu senken. Eine Impfung müsse hier alle Tiere im Flatdeck umfassen und eine Medizinierung sei hinsichtlich Dosierung und Zeitraum wie vorgeschrieben zu erfolgen.
Erfolgsfaktoren von Spitzenbetreiben
„Wenn auf einer grünen Wiese zwei Betriebe mit identischen Voraussetzungen gebaut werden, warum ist der eine erfolgreich und der andere nicht?“ Mit dieser Frage stieg Prof. Dr. Ziron als letzter Referent diese Tages in sein Thema: “Was sind die Erfolgsfaktoren von Spitzenbetrieben in der Schweineproduktion?“ ein. Bei seinen Ausführungen bezog sich Prof. Dr. Ziron auf Daten des Projektes „Forum Spitzenbetriebe in der Schweineproduktion“, das er während seiner vorherigen Tätigkeit bei der DLG betreut hatte. Hier nehmen deutschlandweit Mast- und Sauenbetriebe teil, die sowohl biologische als auch ökonomische Mindestleistungen vorweisen. Die Umfrage bei diesen Praktikern erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Privat- und Offizialberatung. Die Teilnehmer treffen sich einmal jährlich zu einer Konferenz mit Schwerpunktthemen, hier ist ein Erfahrungsaustausch über die eigene Region hinaus möglich. In seinem Referat ging Prof. Dr. Ziron auf die Frage ein, was diese Betriebe anders machen, um ihre hohen Leistungen zu erreichen und an welchen Schrauben sie dafür in den Bereichen Fütterung/Futterlagerung, Wasserversorgung, Hygiene, Reinigung und Desinfektion, Dokumentation, Kontrolle und Motivation drehen.
Bei den Schweinemästern erreichten die Spitzenbetriebe im Wirtschaftsjahr 2006/2007 Tageszunahmen von im Schnitt 766 g, die Top Ten sogar 856 g, wobei in 65 % aller Betriebe Flüssigfütterungsanlagen (Vollautomatisch und Sensor) eingesetzt wurden. Bei den Ferkelerzeugern wurden im gleichen Wirtschaftsjahr 24,3 Ferkel/Sau/Jahr abgesetzt, bei den Top Ten lag dieser Wert bei 27,6 Ferkeln. „Die Anzahl abgesetzter Ferkel allein ist nicht ausschlaggebend, sondern führen Sie eine Grenzertragsrechnung durch, d. h. wie teuer erkaufen Sie sich dieses Mehr an Ferkel“, gab Prof. Dr. Ziron zu bedenken. Das Thema Haltungssystem und Gruppengröße bei den Sauen zeigte im Wartebereich, dass die Großgruppe mit 27 %, die Kleingruppe mit 26 % und die Einzelhaltung mit 47 % vertreten war. Wurden die Sauenhalter jedoch nach ihrem favorisierten System befragt, fiel auf, dass die Großgruppenhalter mehr zur Kleingruppe tendierten. Bei den eingesetzten Fütterungstechniken der tragenden Sauen stand die rationierte individuelle Fütterung mit 54 % (hierbei 51 % Abruffütterung) an erster Stelle vor der rationierten Gruppenfütterung mit 42 % (hierbei 50 %Trogfütterung).
Welchen Einfluss der Schweinehalter selbst auf seinen Erfolg haben kann, zeigte Prof. Dr. Ziron an einer Fülle von Beispielen. Die Rationsgestaltung nach den neuen Fütterungsempfehlungen der DLG, die Kontrolle des TS- Gehaltes beim Einsatz von Nebenprodukten, das penible Beachten der Wasserhygiene und eine gewissenhafte Datendokumentation seien hier erwähnt. Auch einfache Maßnahmen wie die Kennzeichnung der Ferkelpartien mit verschieden farbigen Ohrmarken, um sie besser zurückverfolgen zu können oder die Kühlung der Zuluft mit einfachen Selbstbaulösungen waren Beispiele dafür, dass gute Ideen nicht teuer sein müssen. Im Ferkelaufzuchtbereich dominierten bei den Betrieben technisch einfache Fütterungsvarianten, am weitesten waren Rohrbrei- und Trockenautomaten verbreitet. „Entzerren Sie die Situation zu Beginn der Ferkelaufzucht“, so Prof. Dr. Ziron. Dies sei möglich durch das Aufstellen zusätzlicher Futter- und Wasserschalen. Die Ferkel könnten zudem durch die Gabe von süßen und warmen Getränken zur Futteraufnahme animiert werden.
Die Tiergesundheit auf hohem Niveau halten, auf eine hohe Futterqualität achten – „preiswert, statt billig“, Kontrollgänge als eigenständigen Arbeitsgang betrachten und an 365 Tagen im Jahr ein konsequentes Management umsetzen, dies seien wichtige Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. „Ich habe Ihnen eine Vielzahl kleiner Bereiche dargestellt, in denen Verbesserungen möglich sind. Nehmen Sie eine Idee mit und setzen Sie diese konsequent um“, mit diesen Worten an die Landwirte schloss Herr Prof. Dr. Ziron sein Referat.
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