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Rinderfachtagung 2009

Bericht über unsere Rinderfachtagung 2009 aus der Land & Forst

Mehr Milch durch erfolgreiche Kälberaufzucht

Dr. Heike Engels

 

Zahlreiche Gäste trafen sich am Mittwoch, den 28. Oktober in Selsingen, um sich im Rahmen der alljährlichen Rinderfachtagung des HANSA Landhandel Lahde GmbH & Co. KG in der Kälber- und Jungrinderaufzucht auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Als erster Referent informierte Dr. Peter Sanftleben, Leiter des Institutes für Tierproduktion in Dummerstorf, über das Thema Jungrinderaufzucht im Zeichen steigender Kosten. Er beklagte noch immer zu viele Kälberverluste auf den Betrieben. In Mecklenburg-Vorpommern treten im Mittel 10,2 % der Kälberverluste direkt nach der Geburt auf, 5,1 % bis sechs Monate danach und 4,6 % der Jungrinder sterben ab dem 7. Monate bis zur ersten Kalbung. Spitzenbetriebe zeigen aber, dass es auch viel besser geht. Die Gründe für schlechte Aufzuchtraten seien vielschichtig: Reproduktionsrate und Zwangsmerzungen, das Erstkalbealter, die Grundfutterqualitäten, die Herdenproduktivität, die Fruchtbarkeit und Gesundheit sowie im Bereich Management die Arbeitsproduktivität, das Controlling und die Arbeitsorganisation seien die Probleme in der Kälber- und Jungrinderaufzucht. „Das Management bzw. die Unternehmens- und Personalführung haben den größten Einfluss auf den Erfolg und die Wirtschaftlichkeit,“ so Dr. Sanftleben. „Für eine erfolgreiche Aufzucht mit einer damit verbundenen späteren hohen Milchleistung muss eine Stallklima- sowie Fütterungsoptimierung erfolgen sowie die Abwehrkraft des Kalbes stabilisiert werden bei gleichzeitiger Senkung des Infektionsdruckes.“

Als Beispiel nannte er eine Studie, die über 47 Herden in Spanien mit im Mittel 29,5 kg Milch je Kuh und Tag durchgeführt wurde. Bei gleicher Fütterung betrugen die Einflussfaktoren auf die Herdenleistung ganze 13 kg Milch Variation. Die Faktoren Aufzuchtintensität (Erstkalbealter), Futtertischmanagement (Restfutter, Ranschieben) sowie Tier-Liegeplatz-Verhältnis erklärten über 50 % der Variation in der Leistung bei gleicher Ration.

 

Schnell und ausreichend Biestmilch ist das A und O

Wichtig für ein gesundes Kalb sei die rechtzeitige Biestmilchaufnahme, denn darin sind die wichtigen Antikörper enthalte, die das Kalb solange schützen, bis sein eigenes Immunsystem funktioniert. Vor allem gegen Kälberdurchfall und Lungenentzündung wirke eine frühe und ausreichende (mehr als drei Liter) Biestmilchgabe. In Betrieben, in denen das Kalb zu wenig oder zu spät Biestmilch bekäme, sei denn auch die Verlustrate höher als in den Betrieben mit einem besseren Biestmilchmanagement. Die Kälberhaltungsverordnung schreibe deshalb nicht umsonst vor, dass das Kalb spätestens vier Stunden nach der Geburt getrunken haben sollte. „Dabei ist es besser, das Kalb per Nuckeleimer mit der zuvor abgemolkenen Biestmilch zu versorgen, als es selber trinken zu lassen, denn es nimmt per Nuckeleimer eine größere Menge auf und man kann die Menge auch besser kontrollieren.“ Als Beispiel nannte er Ergebnisse einer Studie, die nachwies, dass Kälber, die saugen, weniger als die Hälfte der Antikörper im Blut hatten als die Kälber, denen per Nuckeleimer mindestens drei Liter Biestmilch vertränkt wurden. „Im weiteren Verlauf produzieren die Kühe, die als Kalb ein gutes Biestmilchmanagement erfahren haben, mehr Milch, haben mehr Zuwachs in den ersten Lebensmonaten und weniger Gesundheitsprobleme respektive Tierarztkosten.“ Dr. Sanftleben riet daher zur Anlage von Biestmilchreserven guter Qualität. Dazu sollte man Biestmilch von älteren Kühen einfrieren in Portionsgrößen von 1 bis 1,5 Liter in Plastiktüten oder Plastikbehältern und diese vor Nutzung vorsichtig in warmem Wasserbad bei < 60°C auftauen. Warum Biestmilch von älteren Kühen? „Ergebnisse aus Norwegen besagen, dass mit steigender Anzahl Laktationen der Gehalt der Antikörper in der Biestmilch steigt. Außerdem sind die Antikörper von Kühen aus der dritten Laktation in der Tiefkühlreserve stabiler als die aus der ersten und zweiten Laktation.“

 

Nicht um jeden Preis ein frühes Erstkalbealter

In der weiteren Aufzucht müsse das Ziel sein, stabile Zunahmen von 500 g je Tier und Tag schon ab dem 14. Lebenstag zu erreichen. Als Orientierung nannte er, dass in den ersten drei Monaten 100 kg Lebendmasse bei täglichen Zunahmen ab 8. Lebenswoche von 900 bis 1.000 g je Tier erreicht werden sollten. Die tägliche Kraftfutteraufnahme sollte ab dem 7./8. Lebenswoche 700 g je Tier betragen. Speziell für die kommende Winterzeit wies er auf den erhöhten Energiebedarf eines Kalbes bei Kälte hin. „Die Reserven eines neugeborenen Kalbes sind innerhalb von 18 Stunden aufgebraucht.“ Um die Pansenfunktion gut und schnell aufzubauen riet er zur Gabe von hochwertigem Kraftfutter ab dem 3. Lebenstag, TMR bzw. hochwertige Silagen ab dem 30. Tag, allerdings max. 2 kg Kraftfutter je Tier und Tag. Heu sollte nach dem Absetzen und Wasser ab 3. Tag gegeben werden. Er empfahl, ein frühes Erstkalbealter nur bei gesunden Tränkkälbern mit intensivem Wachstumsstart anzustreben. Für die Aufzucht seien Außenklimaställe durch die gute Luftqualität (wenig Ammoniak, viel Luftaustausch) ideal. Dr. Sanftleben riet zum konsequenten Rein-Raus-Prinzip, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Unter 3 % Aufzuchtverluste müssen möglich sein

Wie die Kälber- und Jungrinderaufzucht in seinem Betrieb organisiert wird, darüber informierte der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Erzeugergenossenschaft Rastow, Gerd Schütte. Der Betrieb bewirtschaftet 1.400 ha Ackerland und 550 ha Grünland, besitzt eine Milchquote von 6.400.000 kg, 870 Milchkühe, 920 weibliches Jungvieh sowie zwei Deckbullen und 12 Masttiere. Die Milchleistung liegt bei 8.300 kg, die Remontierungsrate bei 28 %, die Zwischenkalbezeit bei 394 Tagen, das Erstkalbealter bei 26 Monaten. Die Aufzuchtverluste betragen derzeit 11 %, davon sind 7 % Totgeburten. „Die Abkalbung erfolgt in separaten Abkalbeboxen und die Kälber werden umgehend mit 1,5 bis 2 l Kolostrum angetränkt (eingfroren von älteren Kühen). Dann kommen sie so schnell wie möglich in gut gestreute E-Boxen. Bis zum dritten Lebenstag erhalten sie weiter Biestmilch, danach stellen wir auf Milchaustauscher um. Mit etwa zwei Wochen ziehen die Kälber dann in den Automatenstall um. Dort achten wir auf eine gute Wasserversorgung und füttern Kälberkorn und Heu zu. Ab der sechsten Woche erhalten die Kälber die TMR der Hochleistungskühe zusammen mit Kälberkorn, mit etwa acht Wochen werden sie abgetränkt. Das klappt schon sehr gut, doch für die Zukunft streben wir unter 3 % Aufzuchtverluste und unter 5 % Totgeburten an“, so Schütte.

 

Ausgewogenes Stärke- und Rohproteinverhältnis wichtig

Prof. Karl-Heinz Südekum vom Institut für Tierwissenschaften, Universität Bonn informierte die Zuhörer über aktuelle Entwicklungen in der Ernährung der Hochleistungskuh. Er wies darauf hin, dass Futtermittel sich erheblich in Geschwindigkeit und Ausmaß des Abbaus von Stärke im Pansen unterscheiden. „Hochleistungskühe benötigen jedoch im Pansen sowohl verdaute und fermentierte als auch beständige Stärke und Rohprotein, um ihre Stoffwechselmöglichkeiten voll auszuschöpfen.“ Mais und Sorghum würden langsam und unvollständig abgebaut, Weizen, Roggen und Gerste dagegen schnell und (fast) vollständig. Für Maissilage gingen die Werte an beständiger Stärke auseinander: Die DLG (2001) gibt 21 bis 30 % in Maissilagen je nach Stärkegehalt an, neuere dänische, britische, französische und deutsche Studien kämen aber auf nicht mehr als 15 %. Prof. Südekum folgerte daraus, dass die Stärke in Maissilage deutlich stärker im Pansen abgebaut werde als bisher tabelliert (zu 79 bis 70 %), sogar Werte über 90 % (also weniger 10 % beständige Stärke) erscheinen ihm realistisch. Für Maisschrot könne der tabellierte Mittelwert von 42 % weiter verwendet werden, bis die vorhandene deutliche Streuung um den Mittelwert besser quantifiziert werden könne. Er wies darauf hin, dass insbesondere bei in situ-Versuchen Probenvorbereitung (Zerkleinerung, Trocknungsart) sowie die Durchführung der Methode und Stärkeanalyse bisher nicht hinreichend standardisiert seien.

 

Gentechnisch veränderte Pflanzen im Kommen

Dr. Lothar Kruse, Geschäftsführer der Impetus GmbH & Co. Bioscience KG, Bremerhaven gab schließlich einen Überblick über den Nachweis von gentechnischen Veränderungen in Pflanzen. Das Unternehmen hat sich auf die DNA-Analytik mit der PCR-Methode spezialisiert. Dieser Nachweis werde immer wichtiger, da in der EU zwar bisher nur wenige gentechnisch veränderte Organismen zugelassen sind, hier gilt hinsichtlich Futtermitteln immer noch die Nulltoleranz, in anderen Ländern aber schon deutlich mehr GV-Organismen angebaut würden. „Derzeit werden weltweit etwa 30 gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, 2015 können es schon etwa 250 sein, die Tendenz ist hier eindeutig steigend“, so Dr. Kruse. Ungewollt seien so Verunreinigungen von Produkten mit GV-Organismen möglich, die sein Unternehmen nachweisen könne.

 

Text als PDF

Hier die einzelnen Vorträge der Rinderfachtagung vom 28. Oktober 2009 im Selsinger Hof

SDC10503

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SDC10563

SDC10569

SDC10575

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