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Die diesjährige Rinderfachtagung fand am 26. Oktober in Brauel statt.

 

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Bericht aus der Land & Forst vom 05. Januar 2017 - Auf dem Weg zur GVO-freien Fütterung

Hansa Rinderfachtagung: Futter für Lebensmittel ohne Gentechnik immer beliebter

Zahlreiche Zuhörer reisten kürzlich wieder zur alljährlich stattfindenden Rinderfachtagung vom Hansa Landhandel in Zeven-Brauel, die sich ganz dem aktuellen Thema gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Futtermitteln und dem möglichen Verzicht darauf widmete.

Birgit Maier-Stein vom DVT brachte die Zuhörer auf den neusten Stand in Bezug auf Lebensmittel ohne Gentechnik. „Die EU regelt die Zulassung und Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Danach gilt eine „Positivkennzeichnung", also die Pflicht zur Kennzeichnung von GVO und ihren Verarbeitungserzeugnissen, so dass eindeutig klar ist, wo GVOs enthalten sind.“ Nicht gekennzeichnet werden Produkte, die „mit Hilfe von GVO" oder „durch GVO" hergestellt werden. Damit seien Futtermittelzusatzstoffe (Vitamine, Aminosäuren, Enzyme, Farbstoffe etc.) kennzeichnungsfrei, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Organismen produziert werden, ebenso wie die Milch, das Fleisch und Eier von Tieren, die GVO-Futter gefressen haben.

Freiwilliges Siegel „Ohne Gentechnik“

Das deutsche Gentechnikgesetz verbiete den GVO-Einsatz bei Lebensmittelzutaten und Futter, wenn die Lebensmittel als frei von Gentechnik vermarktet werden. Ein Siegel „Ohne Gentechnik" für Lebensmittel wird vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) vergeben. Schon 2009 habe das Bundeslandwirtschaftsministerium dem VLOG diese Aufgabe übertragen. Dieses Siegel könne freiwillig ausgelobt werden. Nutzer unterliegen dann aber einer Zertifizierung und müssen die Vorgaben des VLOG-Standard einhalten. „Am häufigsten loben Vermarkter das Siegel bei Eiern und bei Geflügelfleisch aus, erst danach folgen Milchprodukte und Teigwaren“, erklärt Birgit Maier-Stein. Um tierische Produkte als „frei von Gentechnik“ zu kennzeichnen, gebe es nach deutschem Recht Fütterungsfristen, z.B. dürfe in den letzten 12 Monaten (3/4 Leben) bei Fleischrindern kein GVO-Futter verfüttert werden. Diese Fütterungsfristen sollen von neuem beginnen, wenn sich bei Tieren zur Gewinnung von „Ohne-Gentechnik"-Lebensmitteln nachträglich herausstellt, dass die verwendeten Futtermittel, die nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet waren, kennzeichnungspflichtig gewesen wären. Hier ist der Einzelfall entscheidend.

Bei Futterbestellung auf GVO-Freiheit hinweisen

Für die Nutzung des Siegels ist eine weitreichende Dokumentation nötig, u.a. über den Futtermittelbezug und den Zukauf von Tieren. Maier-Stein empfiehlt, bei Futterbestellungen explizit schriftlich darauf hinzuweisen, dass die Ware nach europäischen Verordnungen Nr. 1829/2003 und 1830/2003 nicht GVO-kennzeichnungspflichtig sein darf und zur Herstellung von "Ohne Gentechnik" gekennzeichneten Lebensmitteln geeignet sein soll. Für die Futtermittelwirtschaft ergeben sich aus der Bereitstellung von GVO-freiem Futter weitreichende Beprobungen des Futters, die auch für Mahl- und Mischanlagen gelten. „VLOG empfiehlt bei nicht VLOG-zertifiziertem Futter die Kennzeichnung „Geeignet zur Herstellung von ‚ohne Gentechnik' gekennzeichneten Lebensmitteln. VLOG-zertifizierte Futtermittel sind vom zertifizierten Unternehmen mit der Formulierung „VLOG geprüft" und/oder dem Siegel „VLOG geprüft" zu kennzeichnen.“

GVO-Freiheit wird umfangreich kontrolliert

Natürlich erfolgen von allen Seiten regelmäßige Kontrollen der „ohne Gentechnik“-Produktion von Lebensmitteln. „Im Fokus der Kontrolle stehen Dokumentation, Warentrennung, Monitoring und Deklaration. Ein  Knackpunkt sind GVO-Verschleppungen. Futtermittelunternehmer müssen Ware zurückholen, wenn die GV0-Verschleppung über 0,9 Prozent liegt. Diese Toleranz ist gebunden an die Bedingung, dass die Verschleppung zufällig/technisch unvermeidbar sind, wobei die Definition hierfür recht schwammig ist.“ Für die Zukunft bleibt für die Expertin das Thema „ohne Gentechnik"-Produktion ein sensibler Bereich. „Um die Produktion von Lebensmitteln ohne Gentechnik gut und sicher hinzubekommen, ist in der Kette Futtermittel - Landwirtschaft - Verarbeiter - Supermarkt eine klare Kommunikation und enge Zusammenarbeit wichtig.“

GVO-Nachweis ist möglich

Dr. Lothar Kruse von der Impetus GmbH & Co. Bioscience KG in Bremerhaven ist spezialisiert auf den Nachweis von Spezies, Allergenen sowie gentechnischen Veränderungen in Lebens- und Futtermitteln. Dr. Kruse machte deutlich, dass die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen in den letzten Jahren weltweit weit fortgeschritten sei. „Viele davon werden bereits kommerziell genutzt oder stehen kurz vor der Zulassung. Dazu zählen vor allem Baumwolle, Mais und Soja, aber auch bei Raps und Kartoffeln gibt es Fortschritte. Einige davon sind bereits in der EU zugelassen, andere nicht.“ Laut Verordnungen 1829/2003/EG & 1830/2003/EG sind nur in der EU-zugelassene GVO-Pflanzen  verkehrsfähig. Dabei gelte bei weniger als 0,9 % pro Zutat: Keine Kennzeichnung, wenn technisch unvermeidlich oder zufällig, mehr als 0,9 % pro Zutat: Kennzeichnung obligatorisch.

„Der Nachweis von GVO gelingt im Labor über die Extraktion der jeweiligen DNA der Probe, dessen PCR-Amplifikation (Polymerase-Kettenreaktion) und der dann folgenden Interpretation der Daten.“ Nicht EU-zugelassene GVO-Pflanzen seien nicht verkehrsfähig. Bei Produkten, in denen analytisch keine gentechnischen Veränderungen nachgewiesen werden können (Zucker, Öle, hochraffinierte Lecithine, spezielle Stärkeprodukte), müsse der Nachweis in der Vorstufe bzw. im entsprechenden Ausgangsprodukt geführt und entsprechend dokumentiert werden (Rückverfolgbarkeit lt. 1830/2003/EG).

Verzicht auf GVO-Soja

Thomas Engelhard vom Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden gab einen Überblick zu Fütterungsmöglichkeiten für Hochleistungskühe ohne Sojaschrot. „Wer auf Importsoja, insbesondere GVO-veränderte Sorten, verzichtet, muss eine andere Proteinquelle für die Kühe beschaffen. Zur Alternative stehen gentechnisch unveränderte einheimische Eiweißfuttermittel mit hoher Rohprotein- und N-Effizienz, z.B. Rapsprodukte (insbesondere Rapsextraktionsschrot), Körnerleguminosen (Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen, Sojabohnen), Schlempen (DDGS, DGS), Biertreber oder auch Sonnenblumenextraktionsschrot.“ Es sei eine wiederkäuergerechte Fütterung und bedarfsgerechte Energieversorgung anzustreben bei angepasster (Roh)Proteinversorgung. Hier seien die Bedarfsnormen einzuhalten ohne Vorhalten und Sicherheitszuschläge. Nach bestehenden Möglichkeiten könnten die Proteingehalte der Rationen abgesenkte werden. „Zudem ist auf eine hohe Grobfutterqualität zu achten“, so der Experte. „Dazu gehört auch eine gute Silage mit hohem Proteinwert, Energiegehalt (insbesondere Grassilagen) sowie Eiweißgehalt (z.B. Leguminosesilage, u.a. Luzerne).“ Bei Bedarf und Wirksamkeit könnte auch der Einsatz von Spezialfuttermitteln und Zusatzstoffen überlegt werden.

 

Vortrag Thomas Engelhard • Fütterung von Hochleistungskühen ohne Sojaschrot

Vortrag Birgit Maier-Stein • Lebensmittel ohne Gentechnik - aktuelle Fragen und Antworten für die Landwirtschaft

Vortrag Dr. Lothar Kruse • DNA-Analytischer Nachweis von gentechnisch veränderten Pflanzen